schloss beuchow

beuchow_haus

das projekt schloss beuchow in lübbenau haben wir von der grundlegenden konzeptionellen ausrichtung bis zur feierlichen eröffnung begleitet. im mittelpunkt der unternehmung steht das historische jagdschloss zu beuchow im spreewald, das im 18. jahrhundert erbaut und nun vollständig saniert und umfunktioniert wurde. in seiner heutigen form umfasst die anlage fünf ferienappartements, einen veranstaltungssaal, sowie einen schlosspark mit kinderspielplatz, bier- und kräutergarten. dem konzept für den tourismusbetrieb haben wir ein einfaches prinzip zu grunde gelegt, das sich am grundsatz des bauherren für die sanierungsarbeiten orientierte: historische originalität wird erhalten und mit moderner qualität ergänzt. weiter gedacht ließ sich daraus ein konzeptioneller faden entwickeln, der das projekt in seinen grundzügen beschreibt und ihm gleichzeitig als feste orientierungshilfe für sämtliche aktionen in und um schloss beuchow zur verfügung steht.

was schloss beuchow als ort und als vorhaben besonders macht, ist der kontrast von gegensätzen und ihrer begegnung. in schloss beuchow treffen sich vergangenheit und zukunft, tradition und moderne, einheimische und touristen, regionales und internationales, dorf und welt. alle einheiten sollen dabei gleichberechtigt und unverwässert nebeneinander bestehen können, denn ihr kontrast wird nicht als widerspruch, sondern als wert erkannt. so fokussiert das konzept, das von der basis bis in sämtliche details der unternehmung getragen werden kann, die vier grundwerte »dualität«, »authentizität«, »materialität« und »qualität«. sie dienen als übergeordnete richtschnur für alle bereiche des betriebs, zum beispiel für die einrichtung (»das mobiliar und die ausstattung sollen keine kopie einer bestimmten epoche oder eines speziellen stils werden, um historisierenden kitsch und folklore zu vermeiden. stattdessen können zeitlose, hochwertige und einfache objekte verwendet werden; wenige historische originale sollen als details die einrichtung abrunden. weiter ist die region für ihre naturbezogenheit bekannt, was im einrichtungskonzept über naturbelassene oberflächen und materialien ausdruck finden soll.«), für die gastronomie (»einfache gerichte sollen über die qualität von ausgesuchten zutaten in originelle und ursprüngliche mahlzeiten verwandelt, regionale zutaten zu regionalen spezialitäten verarbeitet werden.«) oder für das veranstaltungsprogramm (»durch die art der veranstaltungen sollen internationale und lokale perspektiven verknüpft werden. beispielsweise kann eine ausstellungsreihe mit regionalen künstlern für einheimische und touristen ungewohnte ansichten des spreewalds bieten.«).



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für die visuelle gestaltung haben wir diese grundwerte in die typografie übertragen. die schriftmischung und die satzart, die als grundlage für die allgemeine gestaltung von drucksachen, sowie für den schriftzug und das signet von schloss beuchow maßgebend sind, zitieren historische formen aus dem 18. jahrhundert und verbinden sie mit neuen formen zu einer eigenständigen grafischen sprache. hinzu kommt eine weitere ebene im umgang mit dem signet, das wir für die kombination mit einfachen, wertigen materialien entworfen haben. Die klare, an einen siegelstempel erinnernde form soll geprägt, geschnitten, graviert oder gebrannt werden, um die materialität von verschiedenen stoffen zu betonen. für anwendungsbereiche, die keine stoffliche qualität besitzen (beispielsweise auf bildschirmen oder einfachen drucksachen), erhält das signet die stilisierte simulation von siegelwachs. ganz im sinne des plastischen originals haben wir vom äußeren umriss dieses labels zahlreiche varianten gezeichnet, damit sich seine form über verschiedene anwendungen möglichst nicht wiederholen muss.

beuchow_briefpapier beuchow_briefumschlag

Auch in der kennzeichnung des gebäudes haben wir die grundwerte des konzepts einfließen lassen. So geschieht die allgemeine markierung des ortes mit hilfe von drei fahnenmasten, die es dem betrieb ermöglichen, flexibel und plakativ und trotzdem »historisch korrekt« auf sich aufmerksam zu machen. Im gegensatz dazu musste das beschilderungssystem möglichst zurückhaltend gestaltet werden, was wir bereits in der platzierung, den dimensionen und den proportionen der objekte, die wir dem ort hinzufügen mussten, berücksichtigt haben. Um der historischen bausubstanz den größten kontrast zu bieten, haben wir für alle wegweiser eine moderne formsprache und moderne materialen bestimmt. Auch in den objekten selbst haben wir das gegensätzliche thematisiert; jeder wegweiser besteht aus zwei kontrastierenden materialien (beton und kunststoff bei den schildern, beton und lackiertes aluminium bei dem pylonen). Unsere idee, sämtliche wegweiser mit elektrischen leuchtmitteln auszustatten, um so verschiedene ebenen des sichtbaren bei tag und bei nacht zu erhalten, konnte aus zeitlichen gründen leider nicht umgesetzt werden.